Krummwisch (hn) – Man stelle sich vor, es gäbe ein Zaubermittel,
das Kinder stillsitzen und aufmerksam zuhören lässt - ein Superdoping
für Kindergehirne. Laut Prof. Gerald Hüther ist dieses unbezahlbare
Zaubermittel das Vorlesen oder Erzählen von Märchen. Das Kind erfährt
das Leben und die Welt durch Märchen. Sie haben Einfluss auf die
Beziehungsfähigkeit, Kreativität und Vorstellungswelt. Märchenstunden
aktivieren die emotionalen Zentren im Gehirn, Botenstoffe werden
gebildet und freigesetzt. Das Kind lernt, sein Gehirn auf bestimmte
Weise zu nutzen.Superdoping für Kindergehirne
Prof. Hüther erläutert in seinem Beitrag zum Jahresband der
Europäischen Märchengesellschaft die Zusammenhänge und das
Zusammenwirken von frühkindlichen Bindungen, den Anfängen des
Sozialisations- bzw. Erziehungsprozesses und den Frontal- und
Stirnlappen. Bereits in der frühen Kindheit wird das Gehirn
„programmiert“, und Märchen bieten dem Kind Orientierungshilfen durch
das Wirrwarr von Anforderungen, Angeboten und Erwartungen. Diese
Stimulierungen werden in dem Gehirnbereich zu einem Gesamtbild
zusammengefügt, und das Frontalhirn entwickelt daraufhin
zukunftsorientierte Handlungskonzepte und innere Orientierungen.
Ohne Märchen, so Prof. Hüther, fehlen diese Orientierungen und es
bleibt die Suche danach. Diese Kinder laufen Gefahr, zu
selbstbezogenen, trotzigen, tyrannischen Erwachsenen mit einem
ausgeprägten zwischenmenschlichen Beziehungsdefizit werden.
Der Autor:
Dr. Gerald Hüther, Jahrgang 1951, leitet als Neurobiologe die
Abteilung der Neurobiologischen Grundlagenforschung an der
Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen. Sein Vortrag zu
diesem Thema anlässlich des Märchenkongresses im Herbst 2006 ist Teil
des Märchenbuchs „Die Stimme des Nordens“, das nun im Königsfurt Verlag
erschienen ist.
Harlinda Lox, Werner Schmidt und Thomas Bücksteeg
Jahresband der Europäischen Märchengesellschaft 2006, „Stimme des Nordens in Märchen und Mythen“
mit einem Beitrag von Prof. Dr. Gerald Hüther „Weshalb wir Märchen
brauchen – Neurobiologische Argumente für den Erhalt einer
Märchenerzählkultur“
252 Seiten
24,90 Euro
ISBN 3-89875-982-2
Königsfurt Verlag, 2006
Pressekontakt:
Königsfurt Verlag
Frau Evelin Bürger
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