Rückschau auf den Gebetskongress 2007 am 3./4. November
Hamburg (hn) - „Welche Kraft und Bedeutung hat das Gebet für den
modernen Menschen?" war in der Ankündigung des 2. Internationalen
Kongresses GEBET 2007 an der Universität Hamburg gefragt worden. Die
Antwort einer große Anzahl der 30 Referenten und der rund 700 Besucher
lautet: „Das Gebet hat eine individuell und kulturell große Bedeutung -
unabhängig der jeweiligen Konfession" beantwortet.
Der zweitägige Kongress an der Universität Hamburg bot ein
vielseitiges, multiperspektivisches Programm zum Thema „Gebet -
Zwischen Glaube und Wissenschaft". Themenfelder waren unter anderem
„Glaube und Gesundheit", „Beten und Management", „Alltag und Auszeit"
und „Glaube und Globalisierung". Veranstaltet wurde der
religionsübergreifende Gebetskongress vom Verein „Ethik im Alltag" in
Zusammenarbeit mit dem Interdisziplinären Zentrum „Weltreligionen im
Dialog" an der hanseatischen Universität unter der Leitung von Prof.
Wolfram Weisse und der Kirche St. Johannis-Harvestehude unter der
Leitung von Pastorin Birgitta Heubach-Gundlach.
„Auch die Wissenschaft spricht nur in Gleichnissen"
Einer der Höhepunkte war der Vortrag von Prof. Hans-Peter Dürr,
Physiker und Träger des Alternativen Nobelpreises. Der weltweit
renommierte Quantenphysiker sprach über den Glauben, seine Bedeutung
und eigenständige Wertigkeit im Spannungsfeld mit der Wissenschaft und
resümierte „Ich habe als Physiker mein ganzes Forscherleben lang damit
verbracht, zu fragen was eigentlich hinter der Materie steckt. Das
Endergebnis ist ganz einfach: Es gibt keine Materie!" Das es sich für
ihn dennoch gelohnt hat, diesen langen Weg zu gehen, beschreibt Dürr
mit der daraus neu entstandenen Erkenntnis: „Auch die Wissenschaft
spricht nur in Gleichnissen. Und: „Die moderne Wissenschaft ermöglicht
einen Brückenschlag zwischen den verschiedenen Wissenschaften und den
Religionen der Welt". Der wissenschaftliche Ansatz „alles in den Griff"
zu bekommen, ist laut Dürr nicht mehr relevant. Vielmehr gelten für ihn
die zwei Annahmen „Die Wirklichkeit ist ein Beziehungsgefüge, alles ist
miteinander verbunden" und „Die Zukunft ist offen, und nicht
determiniert durch die Vergangenheit. Vielmehr schafft die Kreativität
die Zukunft". Zum Thema des Kongresses erläuterte Dürr: „Das Gebet
hilft uns dabei, die Sichtweisen einmal zu ändern und einen anderen
Gemütszustand zu erreichen" und animierte dazu, „das Wissende einmal
zurück zu schieben, damit die Phantasie eine Chance hat".
Ebenfalls
gut besucht waren die Vorträge von Sabine Rohwer (Dachverband Geistiges
Heilen) mit dem Thema „Gebetsheilung - eine Form Geistigen Heilens" und
von PD Dr. med. Arndt Büssing (Arzt und Leiter der Abteilung für
Immunologie und Krebsforschung an der Universität Witten/ Herdecke) mit
dem Thema „Spiritualität und der Umgang mit Krankheit". Während Sabine
Rohwer einen Einblick in die Gebetsheilung gab („Gebete sind Bitten,
die in Erfüllung gehen können"), bestätigte Dr. Arndt Büssing die
Annahme, dass spiritueller bzw. religiöser Glauben den Umgang mit
Krankheit und chronischen Erkrankungen erleichtern kann. Wobei laut
Büssing die „Einstellung des Patienten entscheidend ist". Und die
Tatsache, dass es „zwar keinen Zusammenhang zwischen körperlicher
Gesundheit und Altruismus gibt, dafür aber einen signifikanten
Zusammenhang mit psychischer Gesundheit".
Beten und Management
Zum
Thema „Beten und Management" referierte Karsten Behrendt
(Personalleiter Bank Deutsches Kraftfahrzeugsgewerbes) unter dem Titel
„Burnout bei Managern" und „Personalpolitik neu gedacht - christliche
Werte in der Wirtschaft". Während vermehrt nicht nur Manager immer
häufiger unter einem Burnout leiden („Burnout ist ein Gefühl von
Ausweglosigkeit, aus der man meint, nicht mehr heraus zu kommen"), kann
das Gebet „eine Chance sein, zur Ruhe zu kommen und sich zu fragen, wo
man eigentlich steht". „Der Mensch hat ein Recht darauf, wertgeschätzt
zu werden", und das auch im schnelllebigen Wirtschaftsleben, in der,
laut Behrendt, „die Liebe zu den Menschen" oft verloren geht. Und
ergänzt: „Mitarbeiter wollen jemanden haben, der einem nicht immer nur
fachliche Ratschläge gibt, sondern der einfach einmal zuhören kann."
Und: „Die einzelne Wertschätzung des Menschen bzw. Mitarbeiters ist
eine gute Investition in jedes Unternehmen".
Glaube und Globalisierung
Zum
Thema „Glaube und Globalisierung" referierte unter anderem Rev. Marcus
Braybrooke (World Congress of Faiths, GB). In seinem Vortrag „Globale
Spiritualität - eine persönliche Transformation" sprach Braybrooke von
einem neuen spirituellen Bewusstsein, das sich unter anderem aus
folgenden Charakteristika zusammenfügt: „Spirituelle Erfahrung ist
wichtiger als die religiöse Doktrin"; „Sie ist religions- und
kulturübergreifend", geschieht „in Einheit mit der Natur" und erkennt
„die Wichtigkeit der Weiblichkeit" an. Zusätzlich zeichnet sich die
zukünftige globale Spiritualität durch Mitgefühl und den Einsatz für
sozialen Wandel aus. Für dessen Gelingen im Sinne einer gerechteren und
friedlicheren Welt empfiehlt Braybrooke dem „einzelnen spirituell
Suchenden, jede Quelle zu nutzen, gleich welcher Religion oder
Glaubensgemeinschaft sie entspringt".
Der Kongress wurde von
zahlreichen Workshops begleitet, in denen die Besucher das Gebet für
sich neu erfahren konnten. Das religionsübergreifende Konzept des
Kongresses spiegelte sich bereits wieder bei der Eröffnungsfeier am
Freitag Abend (2.11.) in der Kirche St. Johannis-Harvestehude:
Vertreter verschiedenster Religionen (Christentum, Hinduismus,
Judentum, Islamischer Sufismus, Buddhismus) rezitierten/ sangen und
musizierten in einem festlichen Rahmen Gebete aus ihrer jeweiligen
spirituellen Tradition.
Sechs Hamburger Künstler/innen gaben in
den Foyers des Universitätshauptgebäudes in Form ihrer Skulpturen,
Malerei und Objektkunst dialogisch auf einander bezogen, einen Einblick
in ihr kreatives Verständnis von Gebet. Wie die Referenten, gaben auch
sie einzelnen Besucher/innen im persönlichen Gespräch die Möglichkeit,
Fragen zu stellen und sich mit ihnen auszutauschen.
Brückenschlag zwischen Glauben und Wissenschaft
Fazit:
Der Brückenschlag zwischen Glauben und Wissenschaft ist diesem Kongress
gelungen. Hierzu beispielhaft das Resumee einer Teilnehmerin: „Auf dem
Gebetskongress habe ich nachhaltig beeindruckend Religion als etwas
freies, überkonfessionell erlebt und damit noch weniger einengend und
mit einem überzeugenden gegenseitigen Respekt für den gleichen Urgrund
mit unterschiedlichen Wegen. (...) zumal auch atmosphärisch eine feine
Spiritualität oder eben der Weg zu spüren war ohne "Esotouch" oder
missionarischem Moraleifer, oder "Peep peep, wir haben uns alle lieb".
Achtung, Respekt und Ernsthaftigkeit gaben mir ein Gefühl von echtem
Aufgehobensein und damit Herzensöffnung, Empfangsbereitschaft."
Der nächste Gebetskongress wird voraussichtlich im Herbst 2008 in
Hamburg stattfinden. Ausgewählte Abstracts der Beiträge des
diesjährigen Kongresses stehen in Kürze zum Download unter
www.gebetskongress.de bereit. Der Initiator und Hauptveranstalter des
Gebetskongresses, Ethik im Alltag e.V., wird im kommenden Herbst das
„Symposium LICHT 2008" in Hamburg veranstalten.
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