Familie als Vorlage für Stress

Gestern lief im Fernsehen eine Talkshow bzgl. Erziehung von Kindern. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher auf welchem Sender ich hängen geblieben bin. Zu dem war die Darstellung dann doch etwas elitär – konträr in einigen Punkten, denn für mich bleibt wirklich fraglich, ob man Kinder mit 8 Wochen in eine Tagesbetreuung geben muss. Aber jenes mag vielleicht einfach dem Fernsehen an sich geschuldet sein. (Es soll ja immer noch unterhalten)

Dennoch blieb eine Kernaussage hängen. Ich bringe diese ganz direkt in Zusammenhang mit unserem heutigen Umgang in der sich verdichtenden Zeitqualität und mit verantwortlich für Stress und das  über die Grenzen hinaus aushalten.

- Es ist kein Platz / Raum mehr für Familie -

Eine Aussage die vielleicht erstmals polarisiert, aber dennoch erlebe ich es immer wieder, dass wenn man zu Besuch ist und das Telefon klingelt, Gastgeber oder angerufene Personen sofort aufspringen. Eltern schieben ihren Kinderwagen und sprechen über ihr Kind, welches direkt vor ihnen sitzt, in einer dritten Person.
Etwas was in dieser Sendung diskutiert wurde, es gibt wenig Platz für Gemeinsames in der Familie. Ich gebe der Diskussion dahingehend recht, dass wenn beim Essen das Telefon wichtiger ist als die Familie – als die Menschen die man liebt und mag, als die gemeinsame Zeit  – dann läuft ebenso etwas verkehrt, als wenn eine Mutter sich nicht mehr den Raum und die Zeit für ihr Kind nehmen kann. Es muss etwas Gemeinsames geben und ich bin ein deutlicher Verfechter dafür Prioritäten zu setzen. Es kann absolut nichts Wichtigeres geben, als gemeinsam mit seiner Familie zu essen, seinem Kind die Welt zu zeigen, Zugneigung und Liebe als Ritual zu zelebrieren. Es sind Werte die junge, heranwachsende Menschen begleiten, weil sie es sich als Vorbild nehmen. Warum zur Ruhe kommen, warum  das Telefon nicht mal klingeln lassen – wenn man es doch anders nicht kennen gelernt hat?

Wir jagen in der heutigen Zeit immer mehr Terminen und Gegebenheiten hinter her. Wir selbst, nein wir bleiben auf der Strecke und zwar so lange bis wir uns daran ergötzen können endlich zu der Gruppe der ausgebrannten (Burnout) dazu zu gehören. Es ist quasi der Ritterschlag der Gesellschaft – und endlich gehört man dazu. Nur mit dem leidigen Nachteil, dass der Körper unter einen weg sackt und man nach und nach anfängt die Reste aufzusammeln. Man versteht gar nicht mehr. Alles ist durcheinander, obwohl man doch nur jenes gemacht hat, was man immer gemacht hat.

 

Es gibt Dinge – Gegebenheiten, für die es sich lohnt inne zu halten und darüber nachzudenken. Familie ist eines dieser Gegebenheiten. Und so sehr Hektik, Abrufbarkeit, Stress und vieles mehr auch in Familien Einzug gehalten hat, finde ich es wichtig sich wieder zu besinnen und mal Plätze der Gegebenheiten wahr zu nehmen. In wenigen Wochen ist Weihnachten und wenn wir mal ehrlich sind, (Hand aufs Herz) ist die Familie doch nicht immer so schlimm und schlecht wie wir es gerne hätten. Es sind unsere Wurzeln, die uns begleitet haben groß und erwachsen zu werden. Und auch wenn nicht eine jede Familie heile und glücklich ist, liegt es an uns, unsere Familie so zu gestalten wie wir es für richtig halten. Es kann ein Blick nach vorne sein – nicht immer zurück, denn es liegt an uns wo Stress und Hektik anfängt. Bei unseren Kindern ist, für mein Empfinden, der schlechteste Platz dafür.

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